Was Denkfabriken so hervorbringen

Am 04.02.15 sprach der 66 jährige George Friedman in einer Rede an die Gäste des “The Chicago Council“. Friedman ist Direktor der privaten Denkfabrik “Stratfor“, die geopolitische, militärische Strategievoraussagen entwirft.

Im diesem Beitrag schreibe ich die interessantesten Aussagen von G. Friedman nieder, welche einige meiner grundlegendsten Fragen zu aktuellen Themen beantworteten.

 

George Friedmans Aussagen

„Die USA liefern den baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen), sowie Bulgarien, Polen und Rumänien Waffen, Artillerie usw.“ – Mit dieser Aussage Friedmans bestätigt endlich ein absoluter Experte mit top Quellen der Öffentlichkeit, was von offizieller Seite bisher komplett verdreht wurde: Die USA liefert Kriegsmaterial nach Osteuropa. Freie Journalisten berichten bereits seit Wochen über diese Kriegsmaterial-Transporte und Truppenverschiebungen. Sie belegen diese mit reichlich Bildmaterial. Unsere Leitmedien berichten nichts darüber, im Gegenteil: Ständig wird berichtet, Russland unterstütze die Separatisten im Osten mit Ausrüstung und Soldaten. Moskau muss fast wöchentlich solche Vorwürfe zurückweisen. Dabei ist es noch keinem westlichen Medium gelungen, die Behauptungen mit Bild- oder Videomaterial zu belegen.

„Bei all diesen Handlungen agieren die USA ausserhalb der NATO, weil diese für solche Aktionen nie die einstimmige Zusage aller Mitgliedsstaaten erteilen würde.“ – Das heisst, die USA agiert mit gewissen Aktionen auf eigene Faust. Es geht dann nicht darum, die Sicherheit eines NATO-Staates zu gewährleisten, sondern nur darum, die Interessen der USA in Europa umzusetzen, unter dem Deckmantel der NATO.

„Europa wird Kriege haben“ – Das soll wohl bedeuten, dass Friedman fest damit rechnet, dass es in Europa bald zu Kriegen kommen wird. Aufgefallen ist mir die Häufung der Berichte über militärische Manöver auf dem Gebiet des “Intermariums“ unter dem Argument, es handle sich um Übungen.

„Wir (USA) haben keine Beziehungen mit Europa, wir haben Beziehungen mit Rumänien, Frankreich, usw. Aber es gibt kein Europa, mit dem die USA Beziehungen haben kann.“ – Damit will er wohl sagen, dass die USA Europa nicht als Ganzes anerkennt. Die USA unterstützt oder bekämpft immer nur einzelne Staaten, die entweder Freund oder Feind darstellen.

Es herrscht Uneinigkeit in Europa. Alle leben in einer eigenen Welt.“ Friedman äussert sich hier negativ über den Zusammenhalt der europäischen Staaten und Bürger untereinander. In Europa wurden erfolgreich verschiedenste Wertevorstellungen und Philosophien auf kleinstem Raum vereint. Das verunsichert die USA, weil ein Bündnis mit Frankreich nicht automatisch bedeutet, dass die restlichen europäischen Staaten in dasselbe Horn blasen.

„Das Hauptinteresse der USA während des letzten Jahrhunderts, im ersten und zweiten Weltkrieg, sowie im kalten Krieg, waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Weil diese vereint die einzige Macht sind, die uns (USA) bedrohen kann. Das Hauptinteresse war, zu verhindern, dass dieser Fall nicht eintritt.“ – Damit unterstreicht Friedman die immerwährende paranoide Angst der USA, dass es irgendwann einen einflussreicheren und mächtigeren Staat auf der Welt geben könnte, als die USA. Die wachsende Unsicherheit der USA über die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind demnach ein uraltes Vorhaben der USA, das ihrem globalen Kontroll- und Sicherheitswahn entspringt.

„Die Deutschen haben ein sehr komplexes Verhältnis zu den Russen. Die Deutschen wissen selbst nicht, was sie tun sollen. Für die Vereinigten Staaten ist das Hauptziel, das deutsche Kapital und deutsche Technologien, und die russischen Rohstoff-Ressourcen und die russischen Arbeitskräfte sich zu einer einzigartigen Kombination verbinden, die die USA seit einem Jahrhundert zu verhindert versuchen. Also, wie kann man das erreichen, dass diese (deutsch-russische) Kombination verhindert wird? Die USA sind bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu schlagen: Das ist die Linie zwischen dem Baltikum und Schwarzem Meer, das “Intermarum“.”

„Die USA wollen Russland nicht töten, sondern nur ein bisschen verletzen bzw. Schaden zufügen. Jedenfalls sind wir (USA) jetzt zurück im alten Spiel.“ – Mit dem “alten Spiel“ scheint Friedman den kalten Krieg zu meinen, als sich die USA und Russland ungefähr gleich nahe standen wie gegenwärtig. Friedman spricht klar von “Schaden zufügen“, also steht für ihn fest, dass kriegerische Handlungen stattfinden werden. Die Frage ist nur wann, unter welchem Vorwand?

„USA unterstützen beide gegeneinander kämpfenden Parteien politisch, finanziell, militärisch und beratend, damit diese sich aufeinander konzentrieren.“ – Damit erreicht die USA, dass sich beide Parteien gegenseitig für Jahre oder Jahrzehnte kaputt machen. Ihr Land kann so bei Bedarf völlig destabilisiert werden.

„Wir sind erst etwa im dritten Kapitel des Buches.“ – Will Friedman hier auf den Plan zur Erreichung einer neuen Weltordnung hinaus? Oder welches Buch meint er? Was ist die Geschichte dieses Buches?

Worauf Russland jetzt achtet:

Man möchte die Ukraine als “neutrale“ Pufferzone zwischen Russland und dem Westen haben. Dringt der Westen (USA) aber soweit in die Ukraine vorm das der Status der Ukraine eine existenzielle Bedrohung darstellt, müssen die Russen eingreifen. Sie können hier nicht einfach loslassen. Russland will, dass die Ukraine ein neutrales Land wird, kein Pro-westliches.

Worauf die USA jetzt achtet:

Wenn die Russen weiterhin an der Ukraine hängen, werden sie von den USA gestoppt. Dafür hat die USA schon Massnahmen getroffen. Eingreiftruppen wurden in Rumänien, Bulgarien, Polen und den baltischen Staaten stationiert.

Die “Deutsche Frage“ als Ursache des Problems?

Gemäss Friedman lautet die “Deutsche Frage“ seit der Gründung des deutschen Reichs 1871: Wie und wo können wir unsere Exporte am besten verkaufen, im Osten oder im Westen? Es ist also noch immer die Entscheidung zwischen westlicher oder östlicher Ausrichtung, welche Deutschland schon einmal geteilt hatte.

Deutschland ist wirtschaftlich sehr mächtig, jedoch geopolitisch eher zerbrechlich. Deshalb möchte die USA den deutschen helfen, wenn es darum geht die “deutsche Frage“ zu beantworten und zwar so:

Das Intermarum

Als Antwort auf die “deutsche Frage“ möchte die USA ein “Intermarum“ errichten. Dieses beinhaltet das ganze Territorium zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee, welches Europa von Russland trennt (siehe Bild). So soll vor allem Deutschland von den Russen abgeschnitten werden um deren positiven Verhältnisse oder Beziehungen zu schwächen. Dieser Wandel soll sich in den nächsten 20 Jahren abspielen.

Intermarium

Jetzt macht die Ostausrichtung der letzten Jahre der NATO und der EU auch plötzlich Sinn, denn fast alle Länder die sich im “Intermarum“-Territorium befinden sind grundsätzlich hoch verschuldet und kaum wirtschaftlich interessant für die EU.

Augen auf! Ich bin gespannt welche strategischen Schritte für die kommenden Jahre geplant sind…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: